Letzte Vorstellung - Thorsten Havener
Pressekritik
Alles ist ein Spiel
Lippische Landeszeitung | 15.02.2010
Der Gedankenleser Thorsten Havener verblüfft Kunst-im-Kreishaus-Besucher mit seinen Tricks
VON CHRISTINE DICK
Er kann Gedanken lesen, Lügen aufdecken und vor allem irritieren: der Gedankenleser Thorsten Havener. Dem verblüfften Publikum bei Kunst im Kreishaus blieb nur noch die Frage: Wie macht der das?
Im Laufe der Show wird es mit jedem Experiment spektakulärer. Thorsten Havener errät eins zu eins den Namen eines Jungen, an den ein Mädchen aus der ersten Reihe gerade denkt. Er ordnet vier Teilnehmern Bilder zu, die diese soeben gemalt haben. Mit verbundenen Augen nennt er bis aufs kleinste Detail Gegenstände, welche die Zuschauer aus ihren Hosentaschen holen. Und dann erwähnt er einen Brief, in dem er bereits vor der Show den Traum eines Zuschauers aufgeschrieben hat. Willkürlich sucht er sich dafür eine Dame aus dem Publikum aus und lädt sie zu einer imaginären Reise ein. In diesem Spiel kann die Frau entscheiden, ob sie durch eine rote oder blaue Tür geht, sie stellt sich vor, wie der Raum riecht, den sie dann betritt, und schildert, was sie sieht und hört: "Rosen", "Monet" und "Klaviermusik", sagt die Frau. Was folgt, ist verblüffend: Thorsten Haveners Brief beschreibt identisch den Rosengeruch, das Monet-Bild und die Chopin-Musik. Wohl bemerkt: Er hat es vorab aufgeschrieben.
Alles Unfug? Oder gar Manipulation? Natürlich mischen sich Skepsis und Faszination. "Das Unerklärliche scheint nur unerklärlich, weil wir es nicht genau erklären können", sagt Thorsten Havener und gibt eine Anleitung zu seinen kleinen Wundern: Genaues Beobachten - das ist das Geheimnis. Es komme darauf an, auf jedes Detail zu achten, im Moment zu sein und Veränderungen wahrzunehmen. Was der Gedankenleser macht, hat also weder mit Hellseherei noch mit übersinnlichen Fähigkeiten zu tun. Und das macht ihn sympathisch.
Trotzdem bleiben einige Dinge ungeklärt: Wie konnte er exakt die Worte auflösen, die drei Zuschauer sich beliebig und spontan aus drei Romanen aussuchten? Oder wie schaffte er es, aus unüberschaubar vielen Zeitungszeilen diejenigen Worte vorherzusehen, die nach endlosem Zerreißen der Zeitungen übrig blieben? Und wie kriegte er es hin, die Initialen einer Teilnehmerin zu erraten und diese mit verdeckten Augen deckungsgleich aufzuschreiben? Verblüffend? Was denken Sie? Wie macht der das nur?


